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| Wilhelm Meisters Lehrjahre 2 |
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Fünftes Kapitel
Des andern Tages, als die Seiltänzer mit großem Geräusch abgezogen waren, fand sich Mignon sogleich wieder ein und trat hinzu, als Wilhelm und Laertes ihre Fechtübungen auf dem Saale fortsetzten.
"Wo hast du gesteckt?" fragte Wilhelm freundlich, "du hast uns viel Sorge gemacht."
Das Kind antwortete nichts und sah ihn an. "Du bist nun unser", rief Laertes, "wir haben dich gekauft"-
"Was hast du bezahlt?" fragte das Kind ganz trocken.
"Hundert Dukaten", versetzte Laertes; "wenn du sie wiedergibst, kannst du frei sein."-
"Das ist wohl viel?" fragte das Kind. "O ja, du magst dich nur gut aufführen."- - "Ich will dienen", versetzte sie.
Von dem Augenblicke an merkte sie genau, was der Kellner den beiden Freunden für Dienste zu leisten hatte, und litt schon des andern Tages nicht mehr, daß er ins Zimmer kam. Sie wollte alles selbst tun und machte auch ihre Geschäfte, zwar langsam und mitunter unbehülflich, doch genau und mit großer Sorgfalt. Sie stellte sich oft an ein Gefäß mit Wasser und wusch ihr Gesicht mit so großer Emsigkeit und Heftigkeit, daß sie sich fast die Backen aufrieb, bis Laertes durch Fragen und Necken erfuhr, daß sie die Schminke von ihren Wangen auf alle Weise loszuwerden suche und über dem Eifer, womit sie es tat, die Röte, die sie durchs Reiben hervorgebracht hatte, für die hartnäckigste Schminke halte. Man bedeutete sie, und sie ließ ab, und nachdem sie wieder zur Ruhe gekommen war, zeigte sich eine schöne braune, obgleich nur von wenigem Rot erhöhte Gesichtsfarbe.
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